Sechsstündiger
Schach-Marathon mit einem Großmeister
Von Henriette Brendler MOZ vom 23. August 2008 Briesen
28 Sportler sind am Donnerstagabend in der Briesener Turnhalle gegen
einen einzigen Gegner angetreten. Normalerweise eine sehr unfaire
Angelegenheit - nicht jedoch in diesem Fall, denn bei der Sportart
handelt es sich um Simultanschach und der Gegenspieler war Vlastimil
Hort, eines der größten Schachgenies vergangener Jahrzehnte. Zum
zehnten Mal findet in diesem Jahr das vom örtlichen Schachverein
organisierte Briesener Open statt. Dazu hatten die Gastgeber mit
Vlastimil Hort (64) einen besonders prominenten Gast eingeladen. Der
mehrfache Landesmeister, Silbermedaillengewinner der Schacholympiade
und in den 70er Jahren auf Platz sieben der Weltrangliste geführte
Großmeister reiste extra aus Köln an, um es in einer seiner
Spezialdisziplinen, dem Simultanschach, unter anderem mit
Schachspielern aus Briesen, Frankfurt (Oder) und Greifswald
aufzunehmen. "Ich spiele gern Simultanschach. Da geht es alle
gegen einen, Gehirn gegen Gehirn. Das ist wie eine faire Fuchsjagd",
sagte der gebürtige Tscheche kurz vor Beginn der Veranstaltung. Trotz
der vielen Gegner lege er sich jedoch nicht im Voraus eine Strategie
zurecht, sondern denke erst am Brett der einzelnen Spieler über die
jeweilige Partie nach. "Vom SV Briesen starten neun Mitglieder.
Einen Teil der Startplätze haben wir an Spieler vergeben, die uns in
den vergangenen Jahren bei den Briesener Open immer unterstützt haben",
erklärte Turnierleiter Volker Heinrich. Immerhin hätten sie dazu
beigetragen, dass das Briesener Open nach zehn Jahren zu den
wichtigsten Turnieren in Brandenburg gehöre. Als Vlastimil Hort
dann genau um 17.14 Uhr seine erste Figur ins Spiel brachte, hätte man
eine Stecknadel fallen hören können, so still war es in der Turnhalle
geworden. Bis auf Philipp Heinrich, dem jüngsten Teilnehmer im Feld,
hatten alle Spieler die weißen Figuren gewählt, und durften somit die
Partie eröffnen. "Ich weiß ja, dass ich nicht gegen ihn gewinnen kann,
aber ich möchte auch nicht als Erster matt gesetzt werden", sagte der
11-Jährige vom SV Briesen. Als Vorbereitung habe er jeden Tag eine
Stunde am Schachcomputer geübt. Schachprofi Hort hatte indessen
innerhalb kürzester Zeit seine erste Runde in der Halle gedreht.
Spätestens nach der dritten Runde blieb er jedoch, in seiner typisch
nachdenklichen Haltung, an vielen Spielbrettern etwas länger stehen,
kratzte sich am Kinn oder raufte sich auch schon mal die Haare.
Zwischendurch nahm gelegentlich einen Schluck aus seiner Kaffeetasse,
stellte sie dann auf einem der Tische ab, um sie bei der nächsten Runde
wieder ein Stück weiter mitzunehmen. Seine 28 Gegner - darunter
auch drei junge Frauen - brüteten derweil über ihren Schachfiguren oder
drehten selbst eine Runde durch die Halle, um sich das Spiel der
anderen anzusehen. Im Schnitt hatten die Teilnehmer mehr als 20 Minuten
Zeit, um über ihren nächsten Zug nachzudenken. "Es ist trotzdem sehr
schwer gegen ihn zu spielen. Man merkt, was er für ein ausgezeichneter
Spieler ist", räumte der Briesener Vereinsvorsitzender Volker Heinrich
ein. Trotz des hochkarätigen Gegners schlugen sich die
Schachspieler wacker: Es dauerte fast zwei Stunden, bis der erste matt
gesetzt wurde. Immerhin zwei Partien, die von Thomas Noack vom SV
Preußen Frankfurt und der Greifswalder Jugendspielerin Miriam Rogasch
vom SV Gryps, endeten mit einem Remis. Insgesamt dauerte das
Simultanturnier mehr als sechs Stunden. Erst um 23.35 Uhr gingen in der
Briesener Turnhalle die Lichter aus. |