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Wenn man an einem Samstag Morgen um 8.30 Uhr feststellt, dass man nichts zu tun hat, was macht man dann? Genau, man fährt zu einem Schachturnier. Naja, vielleicht hatte jetzt nicht jeder Leser genau denselben Gedanken.... Aber eine schöne Abwechslung stellt das doch dar. Und man wird erstaunt feststellen, wie viele Möglichkeiten man am Wochenende zum Schachspielen findet. Auch in Ihrer Umgebung. Und stets zu den gleichen unchristlichen Zeiten.
Wie es der Zufall wollte, fand an jenem Tag in Fürstenwalde das Joachim-Kolbe-Gedenkturnier statt. Im "Haus am Spreebogen". Nun gut, die Adresse kannte ich noch nicht, aber das wird ja auf diesen netten kleinen grünen Hotelwegweisern bestimmt ausgeschildert sein. Und in Fürstenwalde hab ich mich schließlich noch nie verfahren. (Das lag wohl daran, dass ich mich nur an sehr wenige Aufenthalte in Fürstenwalde erinnern kann, und diese Bilanz änderte sich auch dramatisch innert der nächsten Stunde.) 9.45 Uhr Anmeldeschluss - hey, das schaff ich locker. Also nix wie los.
In Fürstenwalde angekommen, überfiel ich den ersten Passanten, den ich am Straßenrand erblicken konnte, und zu meiner Erleichterung konnte er mir auch detailliert beschreiben, wo genau ich denn langfahren müsste. Und immerhin weiß ich jetzt auch, wo diverse Einkaufsmärkte in Fürstenwalde sind. Nach ca. 5 weiteren Minute traf ich dann auch endlich meinen besten Freund wieder - das grüne Hotelschild.
"Haus zum Spreebogen" - links lang - JAWOLL! - ERSTER! - ERSTER! - Moment - Wie jetzt?
Es erwies sich plötzlich als kleines Problem, dass die Einfahrt mit einer Baustelle verziert war. Egal, dann fahr ich einmal rum, links, und dann bin ich ja auch da. Und schließlich hatte ich ja noch 10 Minuten Zeit. Gesagt, getan. Natürlich war das Ganze nicht so einfach, und nach der geplanten Umfahrung und der Begegnung mit einem äußerst nervösen, entgegenkommenden Fahrer (Ob das an der Einbahnstraße lag?) fand ich mich inmitten dekorativer Einfamilienhäuser wieder. Wunderschöne Gegend, nur leider vollkommen falsch. Es entspann sich folgendes Gespräch:
Icke: "Hallo. HALLO! Ja, danke, entschuldigen Sie kurz, aber ich würde gern wissen, wie ich von hier zum "Haus am Spreebogen" komme.
Altstadt oder sowas."
Nette Passantin: "Das kenn ich. Aber da sind sie ein wenig falsch."
Icke: "Danke, das dachte ich mir schon."
Nette Passantin (kichernd): "Ja ja, da bauen die jetzt."
Icke: "Auch dies hab ich bereits festgestellt. Ein wenig verwirrend."
Nette Passantin: (lauter lachend) "Ja ja..."
- kurze Gesprächspause -
Icke: "Könnten Sie ...?"
Nette Passantin: "Was denn?"
Icke: "Den Weg ... zum Spreebogen ... BESCHREIBEN"
Nette Passantin: "Achso, ja natürlich. Also Sie drehen dann hier erstmal um. Oh, warte, das ist 'ne Einbahnstraße. Das wird dann ein wenig kompli..."
Icke: "Egal, ich dreh hier um. Bitte, weiter."
Nette Passantin: "Naja, wenn Sie meinen. Da muss ich aber kurz überlegen, weil da vorn bin ich ja noch nie rausgefahren. Einbahnstraße, wissen Sie."
- kurze Gesprächspause -
Icke: "Ähm, ich hab's ein bißchen eilig. Entschuldigen Sie, wenn ich ein wenig drängle."
Nette Passantin: "Was denn?"
Icke: "Den Weg ... ZUM SPREEBOGEN ... BESCHREIBEN!"
Nette Passantin: "Achso, ja natürlich. Also Sie drehen hier um. Dann da vorn links, glaub ich. Das ist alles ein wenig verwirrend. Ich bin ja da vorn
noch nie rausgefahren. Das hier ist nämlich 'ne Einbahnstraße."
Icke: "Versteh' ich vollkommen. Aber das ist ja auch kein Problem. Die ungefähre Richtung - da bin ich Ihnen doch schon sehr dankbar."
Nette Passantin: "Was denn?"
Icke: "DEN WEG ... ZUM ... SPREEBOGEN ... EILIG ... BITTE ... AAAAAAAAAAAAH ... SCHÖNES WOCHENENDE NOCH!"
Hier ergeht noch einmal ein herzliches Dankeschön an die äußerst nette Passantin, denn "da vorn links raus" hat überraschenderweise schon geholfen. Nach nur 5 Minuten weiterer Irrfahrt kam ich dann auch schon am Hotel an, an welchem dann auch zügig vorbeigefahren wurde, da die Teilnehmer und Zuschauer der gleich nebenan stattfindenden Regatta bereits alle Parkplätze, Grünflächen und wohl auch Hausdächer lückenlos zugeparkt hatten. 10 Minuten Parkplatzsuche, 5 Minuten Fussweg zurück von der nächsten Hauptstraße, und ich war ohne großen Stress an meinem Ziel angekommen.
Die Treppe hoch, links, und ich hörte auch das übliche Stimmenwirrwarr. Leider auch eine etwas lautere Stimme, die grad die Brettverteilung der ersten Runde bekannt gab. Huch, tatsächlich, schon 10.15 Uhr - woran das wohl lag? Glücklicherweise sah man das sehr locker, und da die Teilnehmerzahl eh ungerade war, durfte ich doch noch teilnehmen.
Nach ca. 10 Minuten Partiedauer schaute ich mich dann auch das erste Mal etwas im Turniersaal um, und entdeckte die beiden FMs Karsten Schulz und Rainer Kleeschätzky - aber nicht an den ersten beiden Brettern! Trotz der nun folgenden Grübelei darüber, ob das Auto als Hauptpreis in der Ausschreibung vergessen wurde, gewann ich meine erste Partie. Sofort "rannte" ich zum Aushang, fand zwar in der Ausschreibung keine Erwähnung eines Autos, aber dafür immerhin 5 Titelträger unter den 48 Teilnehmern. Ein wirklich ordentliches Teilnehmerfeld!
Die nächsten beiden Runden verliefen nicht besonders spektakulär für mich: Remis trotz eines Mehrbauern im Springerendspiel, und FM Dragojle Babic
zeigte mir in der nächsten Partie, dass Theoriekenntnisse wichtig (für die ersten 10 Züge brauchten wir jeweils 5 Sekunden) und Turmendspiele immer
remis sind, jedoch nicht, wenn ich irgendwie beteiligt bin.
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Mit 1,5 aus 3 ging's also in die Mittagspause. Zeit, sich das Hotel mal ein wenig genauer anzuschauen.
Und ich durfte feststellen, dass sich die ein wenig mühsame "Anreise" vollauf gelohnt hatte.
Das Hotel sehr sauber mit einem gediegenen Ambiente, äußerst freundliches Personal, vernünftige Preise, eine wirklich tolle Aussicht auf der Terasse,
und sogar der Kaffee hat noch geschmeckt.
Fazit: Gern wieder! (Und hier geht's zur Homepage des Hotels.)
Nach der erfolgreichen Entführung diverser Bratwürste von der benachbarten Ruderveranstaltung und dem wie bereits erwähnt guten Kaffee ging's dann auch weiter mit Schach.
Alina Rath überspielte mich in der 4. Runde mit den weißen Steinen, dass es eine wahre Freude war - und brauchte dafür grad mal 5 Minuten
Bedenkzeit. AUA!
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Dies entnervte mich schon ein wenig, so dass ich in der nächsten Runde gegen Franz Wandrey keine wirkliche Lust hatte auf Schach.
Was im Eröffnungszug 1. h4? mündete. Offenbar war mein Gegner derart überrascht, dass er zunächst die Qualität und dann gleich darauf noch einen
Läufer einstellte. Die Eröffnung der Zukunft?
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Wo wir grad beim "Überspielen" waren: Gleiches vollführte Mile Stanic mit mir in der 6. Runde. In einer Nebenvariante der Caro-Kann-Verteidigung (welche ich am Brett entdeckt, mit "Totaler Müll" getauft und hoffentlich gleich wieder vergessen habe) brauchte ich ca. 10 Züge, um einen Springer vernünftig zu platzieren. Das gleiche Experiment führte ich auch mit meinem anderen Springer durch, nur um dann feststellen zu müssen, dass sie zwar tatsächlich richtig standen, das Endspiel jedoch trotzdem forciert verloren war. Das gab mir wieder "Mut", und ich war kurz versucht, auch in der 7. Runde gegen Erhard Bernhöft auf 1. h4? zurückzugreifen, entschied dann aber spontan, solide zu spielen und 1. Sf3 zu versuchen. Überraschenderweise spielte ich tatsächlich vernünftiges Schach, gewann zwei Bauern und ... übersah ein einzügiges Matt! Ein weiteres Turnier in der Kategorie: ABHAKEN!
Doch dies natürlich nur aus meiner schachlichen Perspektive.
Das Turnier war sehr gut organisiert mit einem überraschend guten Teilnehmerfeld,
das Hotel hatte einen angenehmen Spielsaal zur Verfügung gestellt, und der Rest inkl. Kaffee stimmte ebenso.
Die Siegerehrung wurde zu einem wahren Triumphzug für den SV Briesen. Natürlich waren sich auch die Veranstalter der Bedeutung bewusst, und bauten die Spannung langsam auf.
Zunächst wurden die 4 Preisträger des B-Turniers geehrt. Hier gewann Tobias Lenz, der sich immerhin 4 Siege erspielte und damit den 15. Platz im Gesamtklassement belegte.
Der Gesamtsieger durfte nun auf die "Bühne", und GM Sergej Ovsejevitsch hatte sich, als einzig ungeschlagener Teilnehmer mit 6,5 Punkte und einem Punkt Vorsprung, den Pokal und Geldpreis auch redlich verdient.
Beste weibliche Teilnehmerin wurde Jana Kolbe mit 3,5 Punkten, wobei das Remis gegen Uwe Zeidler noch einen Extrapreis für die "Am härtesten umkämpfte Partie" verdient hätte. Einziger kleiner Makel war hier wohl, dass die Remisbreite des Endspiels K+T gegen K+T nicht voll ausgetestet wurde und nach kurzer Unterhaltung ein Unentschieden vereinbart wurde.
Der nächste Schritt auf dem Weg zum Tageshöhepunkt war dann die Prämierung des besten Spielers mit einer DWZ unter 1500. Hier gewann Achim Broock mit 3 Punkten, der nach drei Verlustpartien gegen erstklassige Gegner einen furiosen Endspurt hinlegte, und keine Partie mehr verlor (+2 =2 -0). 2,5 Buchholzpunkte Vorsprung vor dem Zweiten dieser Kategorie, Daniela Heinrich, und ein Gutschein für einen Elektronikmarkt waren der verdiente Lohn.
Was folgte, kann hier leider nicht ausreichend geschildert werden. Übertönt von einem Jubelsturm, wurde nun Monique Schubert vom SV Briesen nach vorn gerufen. Sie erspielte sich 1,5 Punkte, und wurde als beste Teilnehmerin in der Kategorie "Unter 18 Jahre" geehrt und erhielt ebenso einen Gutschein.
Diese letzte Preisvergabe schien jedoch die Turnierleitung ein wenig zu überraschen, da wohl keine Aufteilung der "U-18" Kategorie geplant war. Glücklicherweise warf Oliver Rath mit 3 Punkten noch vollkommen zu Recht ein, dass auch er unter 18 Jahre alt war. Der Vertreter des Hauptsponsors zeigte sich absolut auf Ballhöhe, und zauberte zusätzlich zu der neu erstellten Kategorie auch noch einen weiteren Preis aus dem Hut, so dass auch der "Beste Teilnehmer unter 18 Jahre" gekürt werden konnte.
Gute Leistung nicht nur aller Teilnehmer, sondern auch des Sponsors und natürlich auch der Turnierleitung.
Fazit: Hier komm' ich wieder mal her!
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GM Sergej Ovsejevitsch (SK Gau-Algesheim)
Tobias Lenz (SG Gaselan Fürstenwalde)
Jana Kolbe (BSG Pneumant Fürstenwalde)
Achim Broock (ESV 1949 Eberswalde)
Monique Schubert (SV Briesen)
Oliver Rath (SK König Tegel 1949)
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| Nr | Name | Punkte | BuHo | SoBe |
|---|---|---|---|---|
| 1 | GM Ovsejevitsch, Sergej | 6,5 | 32,0 | 29,25 |
| 2 | FM Schulz, Karsten | 5,5 | 31,0 | 23,50 |
| 3 | FM Babic, Dragojle | 5,5 | 27,5 | 22,25 |
| 4 | FM Kleeschätzky, Rainer | 5,0 | 32,0 | 21,25 |
| 5 | Höckendorf, Hartmut | 5,0 | 30,5 | 21,50 |
| 6 | Gottschalk, Jens | 5,0 | 30,5 | 19,25 |
| 7 | Barth, Rainer | 5,0 | 30,0 | 19,00 |
| 8 | Jähnisch, Frank | 5,0 | 26,5 | 16,00 |
| 9 | Jandke, Manfred | 5,0 | 25,5 | 16,50 |
| 10 | Gurack, Daniel | 4,5 | 29,5 | 15,00 |
| 11 | Schöffler, Helmut | 4,5 | 28,0 | 15,50 |
| 12 | Stanic, Mile | 4,5 | 24,0 | 12,25 |
| 13 | FM Schurade, Matthias | 4,0 | 34,0 | 17,00 |
| 14 | Poseck, Steffen | 4,0 | 26,0 | 12,50 |
| 15 | Lenz, Tobias | 4,0 | 25,5 | 13,00 |
| 16 | Thiele, Jan | 4,0 | 23,5 | 10,00 |
| 17 | Hellmann, Norbert | 4,0 | 23,0 | 11,00 |
| 18 | Kostic, Ivan | 4,0 | 23,0 | 11,00 |
| 19 | Vidic, Dobrivoje | 4,0 | 21,0 | 11,50 |
| 20 | Zeidler, Uwe | 4,0 | 20,0 | 10,25 |
| 21 | Katic, Vojo | 4,0 | 19,0 | 8,00 |
| 22 | Rübensam, Helmut | 3,5 | 30,5 | 14,00 |
| 23 | Schaburov, Wladimir | 3,5 | 27,5 | 11,75 |
| 24 | Bernhöft, Erhard | 3,5 | 27,5 | 11,25 |
| 25 | Mandic, Milenko | 3,5 | 27,0 | 13,25 |
| 26 | Kolbe, Jana | 3,5 | 27,0 | 11,00 |
| 27 | Schinagl, Horst | 3,5 | 25,0 | 10,00 |
| 28 | Kerber, Wolfram | 3,5 | 21,5 | 6,75 |
| 29 | Broock, Julia | 3,5 | 21,0 | 7,50 |
| 30 | Rath, Oliver | 3,0 | 29,0 | 11,50 |
| 31 | Schwarz, Ronald | 3,0 | 25,5 | 6,00 |
| 32 | Rath, Alina | 3,0 | 25,0 | 8,25 |
| 33 | Zacher, Wolfgang | 3,0 | 22,0 | 7,00 |
| 34 | Cirkovic, Rade | 3,0 | 21,5 | 4,00 |
| 35 | Broock, Achim | 3,0 | 20,5 | 6,25 |
| 36 | Heinrich, Daniela | 3,0 | 18,0 | 4,00 |
| 37 | Budach, Olaf | 2,5 | 24,0 | 5,75 |
| 38 | Glowacki, Andreas | 2,5 | 23,0 | 5,25 |
| 39 | Wandrey, Franz | 2,5 | 21,0 | 5,25 |
| 40 | Papendieck, Andreas | 2,0 | 22,5 | 6,50 |
| 41 | Deak, Vladimir | 2,0 | 22,5 | 3,00 |
| 42 | Ilic, Lepomir | 2,0 | 19,0 | 2,50 |
| 43 | Rakow, Hartmut Uwe | 2,0 | 18,0 | 4,25 |
| 44 | Hinz, Volker | 2,0 | 17,0 | 2,00 |
| 45 | Schubert, Monique | 1,5 | 18,0 | 2,00 |
| 46 | Fritsche, Anja | 1,0 | 23,0 | 4,00 |
| 47 | Langner, Hans Rainer | 1,0 | 21,0 | 4,00 |
| 48 | Heinrich, Philipp | 1,0 | 16,5 | 1,00 |